Aktuelles

Protective Intelligence und digitaler Personenschutz: Praktische Anwendungen zum Schutz exponierter Personen

Exponierte Personen wie Politiker, Wirtschaftsführer oder Prominente sind zunehmend digitalen Bedrohungen ausgesetzt. Protective Intelligence bezeichnet einen vorausschauenden, systematischen Prozess zur Erkennung und Neutralisierung potenzieller Gefahren (Fein & Vossekuil, 2000). Während Schutzaufklärung ursprünglich aus dem physischen Personenschutz stammt, gewinnt der digitale Personenschutz durch die fortschreitende Digitalisierung an Bedeutung (Gooch, 2024). Dieser Beitrag beleuchtet die praktischen Anwendungen des digitalen Personenschutzes und die essenzielle Rolle der Protective Intelligence bei der Abwehr digitaler Gefahren.

Digitale Bedrohungen für exponierte Personen

Im digitalen Raum sind exponierte Personen vielfältigen Risiken ausgesetzt. Doxing, also die Veröffentlichung sensibler persönlicher Daten, kann zu physischen Angriffen oder Erpressung führen (Grothe, 2020). Auch Cyberangriffe sind eine reale Bedrohung: Eine Studie ergab, dass 43 % der befragten Family Offices in zwei Jahren mindestens einen Cyberangriff erlitten (Gooch, 2024). Ein prominentes Beispiel ist der Raubüberfall auf Kim Kardashian, dessen Täter durch Social-Media-Posts ihren Aufenthaltsort bestimmten (Bryant, 2017). Neben gezielten Angriffen stellen Datenleaks eine Gefahr dar, indem sie persönliche Informationen für Identitätsdiebstahl oder Erpressung offenlegen (Flashpoint, o. J.).

Protective Intelligence in der Praxis des digitalen Personenschutzes

Der digitale Personenschutz stützt sich auf präventive Überwachung und Analyse. Sicherheitsteams durchsuchen soziale Medien, Dark-Web-Plattformen und andere offene Quellen nach Hinweisen auf Bedrohungen (Privatimus, o. J.). Solche Monitoring-Systeme haben bereits mehrfach dazu beigetragen, geplante Angriffe frühzeitig zu erkennen (Burton, 2021). Eine effektive Strategie besteht darin, die digitale Sichtbarkeit zu kontrollieren: Spezialdienstleister entfernen sensible Daten aus öffentlichen Quellen und schulen Schutzpersonen in sicherem Online-Verhalten (Flare, 2025).

Ein umfassender Schutz erfordert zudem die Verbindung physischer und digitaler Sicherheitsmaßnahmen. Während Personenschützer physische Bedrohungen abwehren, liefert eine digitale Risikoanalyse frühzeitige Warnungen (Flashpoint, o. J.). In Behörden wie dem U.S. Secret Service und großen Unternehmen sind solche kombinierten Schutzprogramme bereits Standard (Fein & Vossekuil, 2000).

Fazit

Protective Intelligence ist für den digitalen Personenschutz unverzichtbar, da sie es ermöglicht, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und zu neutralisieren. Digitale Schutzmaßnahmen – von Social-Media-Monitoring bis hin zur Reduzierung der digitalen Sichtbarkeit – minimieren das Risiko für exponierte Personen erheblich. In einer zunehmend vernetzten Welt müssen physische und digitale Sicherheitsstrategien ineinandergreifen, um Schutzpersonen wirksam zu sichern.

Literaturverzeichnis

Bryant, K. (2017, 30. Januar). Kim Kardashian’s alleged robber confirms social media helped him plan heist. Vanity Fair. https://www.vanityfair.com/style/2017/01/kim-kardashian-paris-robbery-social-media-heist

Burton, F. (2021, 4. März). Getting proactive with protective intelligence. Security Management. https://www.asisonline.org/security-management-magazine/latest-news/online-exclusives/2021/getting-proactive-with-protective-intelligence/

Fein, R. A., & Vossekuil, B. (2000). Protective intelligence and threat assessment investigations: A guide for state and local law enforcement officials (NCJ 179981). U.S. Department of Justice, Office of Justice Programs, National Institute of Justice. https://www.ojp.gov/pdffiles1/nij/179981.pdf

Flashpoint. (o. J.). Executive protection 2.0: Merging cyber vigilance with traditional safeguards. Abgerufen am 17. März 2025, von https://flashpoint.io/intelligence-101/executive-protection/

Flare. (2025, 10. Februar). VIP monitoring. https://flare.io/glossary/vip-monitoring/

Gooch, R. (2024). The Family Office Cybersecurity Report, 2024. Deloitte. https://www.deloitte.com/global/en/services/deloitte-private/research/family-office-cybersecurity-report.html

Grothe, M. (2020). Digitale Munition gegen Unternehmen und Personen ist da, verfügbar und wachsend: Ein Lagebild. VEKO Online, Ausgabe 2/20. https://www.veko-online.de/component/content/article/sicherheit-digitale-munition-gegen-unternehmen-und-personen-ist-da-verfuegbar-und-wachsend.html

Privatimus. (o. J.). OSRINT – Open Source Risk Intelligence (Webseite). Abgerufen am 17. März 2025, von https://www.privatimus.com/

 

Autor: Dr. E. Gemeiner ist Anwalt und CEO der TRIAS Solutions GmbH, im Rahmen seiner juristischen Tätigkeit berät und unterstützt er Klient:innen bei der Umsetzung und Etablierung von ganzheitlichen Sicherheitsmaßnahmen. Der Aspekt Rechtssicherheit wird durch die Tätigkeiten von Dr. Gemeiner gewährleistet.

Um Ihnen die Bedienung unserer Seite so angenehm wie möglich zu gestalten, verwenden wir Cookies. Deren Einsatz hilft uns, Ihnen unser Service zur Verfügung stellen zu können.
Start typing to see posts you are looking for.