Die Bezeichnung "Illegale" bezieht sich auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die unter falscher Identität und ohne diplomatischen Schutz in fremden Staaten operieren. Diese Praxis wurde insbesondere während des Kalten Krieges von verschiedenen Nachrichtendiensten, darunter dem sowjetischen KGB, intensiv genutzt. Auch heute setzen russische Geheimdienste wie der SWR und der Militärgeheimdienst GRU weiterhin auf solche Agenten. Während der SWR auf die weitgehend "geräuschlose" Arbeit seiner als Botschaftsmitarbeiter getarnten oder als "Illegale" operierenden Agenten setzt, geht der Militärgeheimdienst GRU deutlich risikoreicher und gewaltbereiter vor.

Die Enttarnung solcher "Illegalen" ist äußerst schwierig, da sie oft über Jahre hinweg tief in die Gesellschaft des Ziellandes integriert sind. Dennoch gab es in der Vergangenheit mehrere aufsehenerregende Fälle, in denen russische "Illegale" in westlichen Ländern enttarnt wurden. Ein bekanntes Beispiel ist die Festnahme des Ehepaars Andreas und Heidrun Anschlag im Jahr 2011 in Deutschland, die über zwei Jahrzehnte als "Illegale" für den russischen Geheimdienst SWR spionierten. Sie nutzten falsche Identitäten und Staatsbürgerschaften, um ihre Spionagetätigkeiten zu verschleiern. Ein weiteres Beispiel ist die Verhaftung von Artem und Anna Dultsev, die unter den falschen Identitäten Ludwig Gisch und María Rosa Mayer Muños in Slowenien lebten und für den russischen Geheimdienst tätig waren.
Die Ausbildung und Einsatz solcher "Illegalen" erfordert erhebliche Ressourcen und langfristige Planung. Die Agenten erhalten intensive Schulungen in Sprache, Kultur und Verhalten des Ziellandes, um nicht aufzufallen. Sie konstruieren komplexe Legenden, die durch gefälschte oder manipulierte Dokumente gestützt werden. Die Integration in die Gesellschaft des Ziellandes erfolgt oft durch unauffällige Berufe und soziale Kontakte, die es ihnen ermöglichen, Informationen zu sammeln, ohne Verdacht zu erregen.
Die Enttarnung von "Illegalen" stellt die Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen. Moderne Sicherheitsmaßnahmen wie biometrische Daten und digitale Identifikationssysteme erschweren zwar die Legendenbildung, doch nutzen Geheimdienste zunehmend fortschrittliche Techniken wie Deepfakes und Facemorphing, um solche Hürden zu überwinden. Zudem setzen sie auf synthetischen Identitätsdiebstahl, bei dem echte und erfundene Informationen kombiniert werden, um neue, fiktive Identitäten zu schaffen.
Literaturverzeichnis:
- Bundeszentrale für politische Bildung. (2024). Analyse: Die GRU – Russlands Militärgeheimdienst
- Bundeszentrale für politische Bildung. (2016). Analyse: "Ausländischer Agent"
- Bundestag. (2021). Regelungen zu "Ausländischen Agenten" in der russischen Zivilgesellschaft.
- Egbert, S. (2023). Unsichere Identitäten: Biometrie, Grenzen und Staatsbürgerschaft. In T. Heidemann & M. G. Weiß (Hrsg.), *Digitale Identitäten und Sicherheit* (S. 131–155). Bielefeld: Transcript Verlag.
- Klippa. (2023). Synthetischer Identitätsdiebstahl & wie es vermieden wird
- PXL Vision. (2023). Deepfakes und Identitätsdiebstahl
- Security Insider. (2024). Gefahren des Facemorphing: Kriminelle nutzen KI für Identitätsbetrug
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages. (2017). Sachstand: Fragen zur Nutzung von falschen Identitäten gegenüber Behörden
Autor: S. Leitgeb, B.A., CSO der TRIAS Solutions GmbH, weist über 25 Jahre Berufserfahrung in diversen Sicherheitsbehörden des BMI auf und stellt nun seine umfangreiche Erfahrung und sein außergewöhnliches Knowhow Bedarfsträgern aus der Privatwirtschaft zur Verfügung. Die Themenbereiche Desinformation und hybride Gefahren wurde im Rahmen seines Studiums intensiv wissenschaftlich beforscht.